Lesezimmer

Ein seltsames Treiben (von Simon Doujak)


Ich habe schon viele Dinge gesehen, denn ich bin schon sehr alt.

 

Ich sah schon so viele leben, leiden, sterben.

 

Doch ich habe nicht mitgelebt, nicht mitgelitten und bin nicht mitgestorben. Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen, hab ihn mir manchmal gebahnt, langsam, ganz meinem Tempo entsprechend, manchmal habe ich nachgegeben, ein Umweg stört mich nicht. Ich habe Zeit.

 

Ich habe schon viele Dinge gesehen, denn ich bin schon sehr alt. Ich sah Tiere kämpfen, riesige Herden mit langen scharfen Steinen und lauten seltsamen Dingen. Ich weiß nicht, warum sie sich töteten, denn über die Jahre verschwanden sie alle wieder.

 

Ein wirklich seltsames Treiben.

 

Ich habe schon viele Dinge gesehen, denn ich bin schon sehr alt. Ich sah riesige Wälder über lange Zeiten entstehen und in so kurzer Zeit verschwinden, dass ich rückblickend fast glaube, es wäre über Nacht geschehen.

 

Es scheint alles so schnell geworden zu sein.

 

Vor kurzer Zeit erst eröffneten sich Wege, die zu schaffen ich wohl eine weitere Lebenszeit gebraucht hätte. Seltsame steinerne Wälle wurden von den Tieren in meinem Lauf erschaffen.

 

Ich wundere mich oft über das Treiben jener Geschöpfe.

 

Ich habe schon viele Dinge gesehen, denn ich bin schon sehr alt.
Es sind seltsame Tiere, sie scheinen die ganze Zeit nach etwas zu suchen, doch mir scheint, sie verdrängen sich nur gegenseitig.

 

Versuchen Ewigkeit in ihr kurzes Leben zu bringen, aber am Ende leiden sie, verschwinden und dann tauchen sie wieder auf, versuchen es auf ein Neues. Sie scheitern.

 

Es ist ein wirklich seltsames Treiben.